STRATACORE · DEMONSTRATIONSDATEN

Datengrundlage: was echt ist, was gerechnet ist, was fehlt

Diese Seite ist für Fachleute geschrieben. Sie erklärt, aus welchen amtlichen Datensätzen die 26 Kantonsmodelle entstehen, welche Rechenschritte dazwischenliegen — und warum die Modelle deshalb aussehen, wie sie aussehen. Ebenso offen: was noch fehlt, weil es nicht publiziert oder nicht freigegeben ist.

Datenblatt aller Quellen: Stand, Auflösung, Genauigkeit und Lizenz jedes Datensatzes →

Dieses Modell im Steckbrief

Alle Angaben kommen live aus der Datei model.json des gewählten Kantons — dieselbe Datei, die auch der Viewer lädt.

—
—Rasterweite
—Dreiecke im Modell
—Modellbasis
—Volumen gesamt

Echte amtliche Flächen in diesem Modell

  • —

Gerechnet oder geschätzt

  • Schichtmächtigkeiten zwischen den echten Flächen
  • Farb- und Einheitenzuordnung (Demo-Palette nach Chronostratigrafie)
  • alles unterhalb der Datenabdeckung — in den Alpenkantonen also die ganze Tiefenstruktur

Woher die Geometrie kommt

Alle Grundlagen sind öffentlich und frei bei swisstopo beziehbar. Kein Datensatz in dieser Demonstration stammt aus einem Kantonsbestand.

Bezug: data.geo.admin.ch · download.swissgeol.ch

EbeneDatensatzAuflösungAbdeckungRolle im Modell
GeländeDHM25/200 (swisstopo)200 mganze Schweiz Oberkante des Modells, Höhenbezug für alles Weitere
KantonsgrenzeswissBOUNDARIES3D—ganze Schweiz Ausschnitt und eingelegtes Grenzband
OberflächengeologieGK500 V1.3, Feld PERIODE1:500 000ganze Schweiz welche der sieben Einheiten an der Oberfläche ansteht
FelsoberflächeswissBEDROCK, 419 COG-Kacheln10 m, hier auf 200 m verdichtet rund 81 % der Landesflächeechte Quartärbasis — die Untergrenze der Lockergesteine
TiefenhorizonteGeoMol21, 15 Flächen als OBJ-Netz100 m, hier auf 200 m gemittelt 0,2–37 % der Landesfläche (Molassebecken) Basis Känozoikum und Mesozoikum, Top Malm, Top Keuper, Basis Permokarbon
StörungsflächenGeoMol, 645 Flächen (GOCAD)4,6 Mio Dreiecke, hier dezimiert Molassebecken und Juraechte Bruchflächen als eigene Körper im Modell
Jura (nur Waadt)swissJURA3D MA11,47 Mio StützpunkteWaadtländer Jura Horizont „Top Formation d’Ifenthal“ und 936 Störungsflächen
StörungsspurenGK500, tektonische Linien1:500 000ganze Schweiz Ersatzdarstellung, nur wo keine echten Flächen vorliegen
Karten und Luftbildswisstopo Pixelkarte, SWISSIMAGEKachel je Modellganze Schweiz Auflage auf dem Gelände (Drape)

Vollständige Herleitung mit Bezugsquellen und Prüfzahlen im Projekt: docs/DATENQUELLEN.md

Fünf Ebenen, die nicht aus dem Modell stammen

Im 3D-Modell lassen sich unter „Was steckt sonst noch drin?“ fünf weitere Datensätze einblenden. Sie sind gemessen, nicht gerechnet — und sie zeigen sofort, wie weit unser Modellkasten überhaupt reicht.

EbeneQuelleBezugWas sie zeigt
ErdbebenErdbebendienst SED an der ETH Zürich live über die FDSN-Schnittstelle Herdtiefen ab 1990; die meisten Herde liegen tiefer als das Modell reicht
Tiefe Bohrungenswisstopo, Bohrungen über 500 m live über api3.geo.admin.ch woher das Wissen über den tiefen Untergrund stammt
TiefenlagerSachplan geologische Tiefenlager (BFE) liveStandortgebiete als Scheibe in der geplanten Lagertiefe
TunnelswissTLM3D (swisstopo)je Kanton vorbereitet echte Achsen mit echten Höhen — durch welche Einheit ein Tunnel führt
SeetiefenswissBATHY3D (swisstopo)je Kanton vorbereitet der echte Seegrund unter der Wasserfläche

Wie aus Flächen ein Körper wird

Zwischen den amtlichen Flächen und dem, was Sie drehen können, liegen acht Schritte. Wer die Schritte kennt, erkennt in jedem Modell sofort, welche Form aus Daten stammt und welche aus einer Regel.

  1. Rechteck statt Kantonsform. Modelliert wird der umspannende Kasten, nicht die Kantonskontur. Nur so trifft jeder senkrechte Strahl auf Geometrie — Bohrprofil und Schnitt funktionieren auch am Rand. Die Kantonsgrenze liegt als flaches Band obenauf.
  2. Rasterweite nach Kantonsgrösse: 100 m bei kleinen, bis 400 m bei grossen Kantonen, 500 m beim Schweiz-Modell. Alles Feinere als diese Weite ist im Modell nicht abgebildet.
  3. Oberflächeneinheit aus der GK500. Die Periode jedes Kartenpolygons wird auf eine der sieben Modelleinheiten abgebildet; Lücken füllt der nächste Nachbar, danach glättet ein Medianfilter über drei Zellen.
  4. Typische Mächtigkeiten, wo nichts gemessen ist. Je Einheit eine feste Mächtigkeit: der Median der Messungen — Quartär 38 m (swissBEDROCK), Kreide 136 m, Jura 692 m, Trias 353 m (GeoMol), Perm-Karbon 1459 m (in den GeoMol-Trögen), Molasse 639 m (am Rand der GeoMol-Abdeckung, denn nur dort und ausserhalb wird sie geschätzt). Keine künstliche Variation. Wo eine ältere Einheit ansteht, fehlen die jüngeren darüber.
  5. Echte Flächen als Zwangsbedingung. swissBEDROCK und die GeoMol-Horizonte setzen die Grenzen dort, wo sie liegen; die geschätzten Schichten dazwischen werden eingepasst — die Messung hat Vorrang. Am Rand ihrer Abdeckung wird über drei Kilometer weich auf die geschätzte Fläche übergeblendet.
  6. Auskeilen statt Absturz. Zum Rand ihrer Verbreitung läuft jede Einheit über 2 km auf null aus. Ohne das hingen kleine Vorkommen als tiefe Säulen im Untergrund.
  7. Vermaschen und dezimieren. Jede Einheit wird als geschlossener Körper vermascht (Deckel, Boden, Seitenwände) und auf ein Dreiecksbudget von rund 340 000 je Kanton reduziert — beim Schweiz-Modell 1,1 Mio. Die Aussenorientierung wird korrigiert, weil die Schnittkappen im Viewer sie brauchen.
  8. Volumen aus dem Raster. Die angezeigten Kubikkilometer werden aus den Prismen des Rasters gerechnet, nicht aus dem dezimierten Netz — sonst würde die Vereinfachung die Zahlen verändern.

Im Modell sichtbar gemacht

Im 3D-Modell steht unter „Geologische Einheiten“ eine Umschaltung: Gemessenes hervorheben lässt alles, was auf amtlichen Flächen steht, in Einheitenfarbe und entsättigt den gerechneten Rest; Nur Gemessenes blendet ihn ganz aus. Die Grenze verläuft dabei nicht entlang der Schichten, sondern quer durchs Modell — dort, wo die Datenabdeckung endet. Auch die Schnittflächen folgen ihr. Das Panel nennt zusätzlich je Einheit den Flächenanteil, der auf Messdaten steht.

Technisch trägt jeder Eckpunkt des Modells einen Wert zwischen 0 und 1 („gerechnet“ bis „gemessen“), inklusive des 3-km-Übergangs am Datenrand; die Schnittflächen holen denselben Wert aus einer Rasterkarte je Einheit.

Was man dem Modell darum ansieht

Weiche Übergänge am Datenrand. Wo die GeoMol-Abdeckung endet, geht eine echte Fläche über 3 km in eine geschätzte über. Diese Zone ist plausibel, aber keine Messung.

Keine Versätze im Schichtstapel. Die Störungsflächen sind im Modell vorhanden und anschneidbar — die Schichten selbst sind an ihnen aber nicht versetzt. Ein Sprung von 200 m Versatz ist in einem 200-m-Raster ohnehin nicht darstellbar.

Treppen an steilen Flanken. Folge der Rasterweite, nicht der Geologie.

Ein flacher Kastenboden. Die Modellbasis ist eine gesetzte Tiefe, keine geologische Grenze.

Was fehlt — und warum

Weil die Daten dem Kanton gehören

Das produktive Schaffhausen-Modell und seine 260 Bohrungen sind Eigentum des Kantons und hier nicht enthalten. Das Demomodell Schaffhausen ist — wie alle Kantone — aus öffentlichen swisstopo-Daten aufgebaut; seine Bohrprofile sind daraus gerechnet, nicht gebohrt. Das Beispielmodell «Musterkanton» (nur noch in der Qualitätsprüfung) ist dagegen geometrisch verfremdet: es zeigt, wie fein ein Kantonsmodell gegliedert sein kann, stimmt aber an keinem Ort. Wer die Software lizenziert, erfasst eigene Daten — das entstehende Modell gehört dann dem Kanton.

Weil es noch nicht publiziert ist

SwissAlps3D und Aar-Massiv. Die Modelle für Helvetikum, Voralpen, Subalpine Molasse, Westpenninikum und das Aar-Massiv sind im Bundesviewer sichtbar, aber nicht herunterladbar: die Download-Adressen im Layerkatalog sind noch Platzhalter, die SwissAlps3D-Ebenen zusätzlich zugriffsbeschränkt. Solange das so bleibt, ist die Tiefenstruktur der Alpenkantone in dieser Demonstration geschätzt — genau dort, wo die Schweiz geologisch am spannendsten ist.

Voxelmodelle der Lockergesteine. Aaretal, Birrfeld, Genf, St. Galler Rheintal und Visp liegen ebenfalls nur als Anzeigeebenen vor, ohne offenen Download.

Weil die Datenlage es nicht hergibt

GeoMol deckt das Molassebecken ab — je nach Horizont zwischen 0,2 % und 37 % der Landesfläche. Im Tessin, in Graubünden und im Wallis gibt es unterhalb der Felsoberfläche keine amtliche Fläche, auf die man ein Modell stellen könnte.

Auch die Felsoberfläche ist nicht lückenlos: swissBEDROCK deckt rund 81 Prozent der Landesfläche ab. Basel-Stadt fehlt ganz, im Baselbiet, im Jura, um Genf und im Hochgebirge nur teilweise vorhanden.

Weil wir es noch nicht eingebaut haben

Die offene Bohrdatenbank des Bundes. Die Tiefbohrungen über 500 Meter stehen als Ebene im Modell. Die vollständige offene Bohrdatenbank mit Schichtansprache je Tiefenintervall ist dagegen noch nicht eingebaut — sie wäre das stärkste Gegenstück zum gerechneten Profil: echte Schichtgrenzen neben berechneten, Meter für Meter.

Nachprüfen

Jedes Modell trägt seine Herkunft mit sich: die Datei model.json nennt unter real_sources genau die amtlichen Flächen, die in diesem Kanton verwendet wurden, dazu Gelände- und Kartenquelle. Dieselbe Liste zeigt der Info-Knopf in der Kopfleiste. Der Layerkatalog des Bundesviewers nennt zu jeder Ebene Quelle, Metadaten und — sofern publiziert — den Download.

Bundesviewer: viewer.swissgeol.ch

Daten © swisstopo (DHM25, GK500, swissBOUNDARIES3D, swissBEDROCK, GeoMol, swissJURA3D, swissTLM3D, swissBATHY3D, Pixelkarte, SWISSIMAGE) — offen zugänglich. Darstellung: Demonstration ohne Gewähr, keine Planungsgrundlage.

Kanton wählen So entsteht ein Modell